1. Hallo Herr Hahn - mögen Sie sich einmal kurz vorstellen?
Mein Name ist Carl Hugo Hahn, geboren 1993 in Kirchheim unter Teck, Baden-Württemberg. 2021 habe ich mein Studium der Freien Kunst an der Hochschule für bildenden Künste Braunschweig abgeschlossen. Gegenwärtig lebe und arbeite ich als bildender Künstler in Leipzig. Mein Lebensmittelpunkt dreht sich rund um Malerei, daher verbringe ich die meiste Zeit im Atelier, das sich im Künstlerkollektiv Kombinat e.V. befindet. Gemeinsam mit 18 weiteren KünstlerInnen engagieren wir uns ehrenamtlich und organisieren beispielsweise kulturelle Veranstaltungen. Meine Freizeit verbringe ich mit Musik, Tischtennis und Schach.
2. Wie sind Sie Künstler geworden - können Sie uns Ihren Weg kurz beschreiben?
Als Kind wollte ich Astronaut werden, dann mal Geheimagent und schließlich mal Schuhmacher. Aber das waren Kindheitsträume und schwer zu realisieren. Ich war auch nie besonders kreativ, genauso wenig hatten meine Eltern mich versucht in eine künstlerische Richtung zu bewegen. Als Teenager bin ich mal aus Versehen in eine Ausstellung für Malerei hineingeraten. Ich kann mich gut an die Bilder erinnern, war aber auch nicht sofort Feuer und Flamme. Mit 17 Jahren habe ich dann ein Freiwilliges Ökologisches Jahr in einem Kloster in Sachsen begonnen. Gefühlt sehr weit weg von allen Annehmlichkeiten eines zivilisierten Stadtlebens, habe ich dann eines Abends in meinem Zimmer angefangen zu zeichnen. Die ersten erkennbaren Fortschritte entfachten dann die Glut und ein neues Hobby war geboren.
Schließlich hat sich mein Weg in die Kunst dann eher langsam angebahnt. Nach der Fachhochschule für Gestaltung, überredete mich eine Freundin mich mal für Bildende Kunst zu bewerben. Genau genommen habe ich die Kunst erst verstanden als ich mit dem Studium schon fast fertig war. Es gab auch keinen exakten Punkt, von dem an ich mich selbst als Künstler wahrnahm. Es war mir auch nicht wichtig, ich wollte und will, glaube ich, einfach nur malen und kreativ sein. Ob ich deshalb ein Künstler bin, entscheiden also andere.
3. Was war ihr größter Erfolg?
Jedes fertige Bild ist mein größter Erfolg. Jeder transformierte Gedanke, jede Veränderung in meiner Bildwelt ist ein Erfolg. Das ist es was ich so liebe an der Kreativität, es entsteht immer wieder etwas Neues, etwas von dem ich selbst nicht wusste, dass es in mir steckt. Im besten Falle langweilen mich meine Arbeiten nach einer weiteren Schaffensperiode und ich werde nicht müde meinen künstlerischen Prozess weiter voranzutreiben. Ich beneide keine meiner Kolleg:innen die ihre Bildsprache bereits gefunden haben.
4. Was bedeutet Ihnen die Kunst und was möchten Sie damit ausdrücken?
Ich jage einem Gefühl hinterher. Starke Kunst löst in den Menschen Begeisterung aus, deren Ursprung unbekannt ist. Sie können nicht genau sagen, warum die Kunst sie begeistert. Gleichwohl sie es versuchen zu beschreiben, ganz greifen und mit rationalen Gedanken erklären lässt sich die Begeisterung nicht. Was ist es also was uns an Kunstwerken beeindruckt? Es kann nicht nur das reine Handwerk sein, oder die zur Herstellung benötigte Zeit. Auch nicht der Preis. Ich glaube, es handelt sich um eine Mischung aus Ästhetik und Emotion. Ein seltener Kontakt zwischen Gefühls- und Dingwelt. Eine intuitive Entscheidung aus dem Bauch heraus. Etwas das uns Schönes von Hässlichen trennen lässt. Ein Mechanismus der den Menschen dabei hilft die Welt, um sie herum einzuordnen und in ihr halt zu finden.Ich folge diesem Gefühl im Prozess des Malens und ich halte den Moment fest mit jedem fertigen Bild.
5. Können Sie uns etwas zur aktuellen Ausstellung im Nordkopf Tower erzählen?
Was hat Sie zu diesen Kunstwerken inspiriert? Die Arbeiten im Nordkopf Tower sind meine Auseinandersetzung mit dem Begriff Landschaft. Die Bilder der Ausstellung stammen aus einer Zeit in der ich mich in
meiner künstlerischen Praxis kompositorisch mit dem Hintergrund meiner Malerei beschäftigte. Die Landschaft sollte Protagonist meiner Bildsprache sein, ich wollte sie in den Mittelpunkt setzen und von dort aus einen neuen Ansatz für meine Malerei finden. Außerdem stehen die Bilder für die Kontext-bezogene Auseinandersetzung der Landschaft als politischer, sozialer als auch ökologischer Begriff. Mir fiel die Bedeutungsmacht der Landschaft in der Gesellschaft auf. Das alle über sie sprachen, ohne sie beim Namen zu nennen. Landschaften starrten von gigantischen Werbebannern auf mich herab. Sie wurde als Ausrede missbraucht, um gegen Windräder zu protestieren. Landschaften waren und sind noch immer im Fokus der Menschen ohne wirklich Beachtung zu finden. Mit meinen Bildern wollte ich mal die Landschaften zu Wort kommen lassen.
6. Haben Sie Ziele, die Sie noch erreichen möchten?
Nein, eigentlich nicht, ich habe mein Ziel bereits erreicht, beziehungsweise erreiche mein Ziel jeden Tag aufs Neue. Ich möchte malen und ausstellen und mit den Menschen über die Kunst reden und sie über die Kunst miteinander reden hören. Ich will ihr Gefühl der Begeisterung sehen und sie Beobachten wie sie vor den Bildern stehen bleiben und sich verlieren.






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